Gemeinschaftshof Pente Dialogprojekt Adolf-Reichwein-Gesellschaft

Januar 2012

Nachrichten vom Hof im Januar 2012

Liebe Mitglieder,
wir wünschen Euch allen ein gutes, glückliches Neues Jahr! Das milde Januarwetter fühlt sich nicht wie Winterwetter an, sondern eher wie Spätherbst. In einem Gedicht von Elke Schumacher heißt es so schön:

Spätherbst
Rückzug
Loslassen
Stille
Der Boden trägt
Aus dem Boden kommt neue Kraft
Meine Seele weiß
Um das kommende Frühjahr.

Einen kleinen Vor- oder Nachgeschmack auf das Frühlingshafte hat Euch vielleicht Euer erstes Honigglas vom Hof vermittelt. Dazu einige Bemerkungen über die BIENEN auf unserem Hof, oder vielmehr den „Bien“. Denn unsere Honigbienen können nur als Gruppe, als Volk überleben. Und sie leiden heute in der Regel unter der intensiven Chemielandwirtschaft und eintönigen, ausgeräumten Agrarsteppe. Denn ein Bienenvolk benötigt 50kg Nektar und 30kg Blütenpollen im Jahr. Diese müssen ganzjährig in einem etwa 2-3 Kilometer großen Flugradius zur Verfügung stehen. Jeden
Morgen, während der Trachtzeiten, „unterhalten“ sich die Bienen und „beratschlagen“ welche Blütenfunde sie gemeinsam anfliegen wollen. Denn sie sind blütenstetig. Aber es reicht nicht, wenn nur   im   Frühjahr   eine   reichhaltige   Obst-   oder   Rapsblüte   zur  Verfügung   steht.   Sie   brauchen ganzjährig   blühende   Randstreifen,   bunte   Brachflächen   und   verwilderte   Gärten,   um   nicht   zu hungern. Leider starben in den letzten Wintern in den intensiven Agrargebieten mehr Völker als noch vor Jahren.

Neben den üblichen AGRARGIFTEN, so vermuten viele Imker, gibt es zunehmend chronische oder sogenannte synergetische Schäden durch Kontakte mit verschiedenen Pestiziden und deren Wirkstoffen, welche jeder für sich genommen noch keinen tödlichen oder nachweisbaren Effekt hat.
Da diese unterschwelligen Effekte statistisch schwer nachweisbar sind, bestreitet die chemische Industrie deren Wirksamkeit. Ähnliche Probleme hat die Ernährungwissenschaft auch bei Studien am Menschen. Mit der Langzeitstudie „Deutsches Bienenmonitoring“ (DEBIMO) konnten die Deutschen Bieneninstitute aber über  90 WIRKSTOFFE in den PO LLENVORRÄTEN  von Honigbienen nachweisen, so Dr. Peter Rosenkranz von der Uni Hohenheim (s. Internet). Im Honig kamen diese Wirkstoffe offenbar noch nicht vor. Aber man kann sich vorstellen, welchen Effekt dieser  GIFTCOCKTAIL   auf   die   LEBENSKRAFT   der   Bienen   hat.   Wir   wollen   die Bienenhaltung hier weiter ausbauen und bedanken uns bei Dieter Strunk dafür, dass er uns sein „Bienenmobil“ überlassen hat. Jetzt, Mitte Januar bringen die Bienen ihren Stock auf 36°C und beginnen die Waben zu bestiften und damit, die neue Brut für das Frühjahr anzulegen.
Vielleicht habt ihr auch mitbekommen, das dänische Lebensmittelforscher in Putenfleisch aus Deutschland   Salmonellen   entdeckt   haben,  die   gegen   16   von   17   heute   verfügbaren ANTIBIOTIKA RESISTENT sind! Gewirkt hat nur das Mittel Florphenicol. Dieses ist aber in der Humanmedizin   nicht   zugelassen.   Der   Toxikologe   Hermann   Kruse   von   der   Universität   Kiel bezeichnete   die     diesbezügliche   Verschlechterung   der   Essensqualität   als   sehr   bedenklich.
Mittlerweile ist ein massiver Antibiotika-Einsatz bei Masthähnchen bewiesen. In der aktuellen Studie des Landesamtes für Verbraucherschutz in NRW wurden in 80% der 180 untersuchten Betriebe Medikamente im Futter gefunden. Warum? Weil viele von uns Verbrauchern nur auf den Preis achten und damit sich die Erzeuger vom Handel gezwungen sehen, so billig wie möglich zu produzieren.   Und   so   die   Preiskonkurrenz   auf   dem   Verbrauchermarkt   so   groß   ist,   dasANTIBIOTIKA nicht als Medikament, sondern als WACHSTUMSDOPING einges etzt wird.
Denn in der antibiotikafreien Haltung dauert die Mast etwa 30% länger.
Dabei wird in Kauf genommen, das bereits jetzt in der EU, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge,  rund   25000   MENSCHEN   pro   Jahr   an   Infektionen   mit ANTIBIOTIKARESISTENTEN BAKTERIEN STERBEN. Und weil in der Massentierhaltung die Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht auf ihrem Kot stehen, ist dort eine Brutstätte für neue Mutationen von Erregerstämmen gegeben, die schneller als die Forschung Gegenmittel findet, neue Antibiotikaresistenzen herausbildet.
Aber NICHT NUR FLEISCH ist als RESISTENZÜBERTRÄGER denkbar. Denn neben Gen-Soja als Eiweißfutter besteht die Gefahr, dass Gen-Mais ein Überträger sein kann. Denn im Gen-Mais   ist   einen   Resistenz   gegen  Ampicilin,   ein   Antibiotikum,   eingebaut,   welches   den Geningenieuren als Marker für eine erfolgreiche Manipulation dient. Die Resistenz kann sich im Magen von Tier und Mensch durch Bakterien übertragen.
Wir stecken mittlerweile in der umfangreichen ANBAUPLANUNG für das kommende Frühjahr.
Dabei ist diesmal auch der MAIS. Denn wir wollen künftig das Futter für die Tiere weitgehendselbst aus eigenen Ressourcen herstellen, um eine Gewähr für 100% b io und Gentechnikfreiheit übernehmen zu können. Wir kritisieren zwar auch die zunehmende „Vermaisung“ der Landschaft.
Aber als energiereiches Kraftfutter hat Mais in einer vielfältigen Anbaukultur als „Zwischenfrucht“ durchaus seinen Platz.
Erstmalig haben wir auch winterfeste ACKERBOHNEN angebaut. Eine Bio-Neuzüchtung die uns hoffentlich auch als Alternative für eine eiweißreiche Futterkomponenete dienen kann.
Einen Neuzugang haben wir bei den Schweinen. Ein Eberferkel kommt von einem Archehof bei Bremen und bereitet sich darauf vor, die Nachfolge von unserem braven „Seppel“ anzutreten. Der wird nicht geschlachtet, sondern kann auf einen anderen Hof seinen Dienst verrichten. Aber wir brauchen für die Zucht frisches Erbgut.
Eine WARNUNG: Nachdem der Hühnerhabicht eine Henne durch Luftangriff entführt hat, paßt „Siegfried“, unser HAHN, besonders gut auf. Unseren Sebastian hat er besonders auf dem Kieker – Vielleicht aus Neid auf seinen roten Haarschopf? Wie dem auch sei - bitte die KINDER NICHT ALLEINE ZU DEN HÜHNEN GEHEN LASSEN!!!! (im Frühjahr gibt es einen neuen Hahn) viele Grüße
Euer CSA Team vom
Hof Pente