Hoforganismus

Der Begriff Hoforganismus spielt in der biodynamischen Landwirtschaft eine wichtige Rolle und betont die Idee einer Landwirtschaft, die bewusst mit den Kräften des Lebendigen umgeht. Der Begriff soll anregen, den landwirtschaftlichen Betrieb ganzheitlich zu denken. Man kann einen Hoforganismus als einen landwirtschaftlichen Lebenszusammenhang verstehen, in dem die natürlichen Gegebenheiten, der Boden, die Pflanzen, die Tiere und Menschen (sowohl die auf dem Hof tätig sind, als auch die Menschen, die durch ihre Ernährung mit dem Hof verbunden sind), ein flexibles und gleichzeitig relativ stabiles System bilden.

Der Organismus ist immer ein Ganzes

In der Naturwissenschaft unterscheiden wir zwischen organischer und anorganischer Natur. Kristalle & Steine gehören beispielsweise zur anorganischen Natur. Pflanzen, Tiere & Menschen gehören der organischen Natur an. Wir haben lange gelernt, die organische Natur mit den gleichen Denkmustern und Augen zu betrachten wie die anorganische Natur; nämlich nach physikalisch-mechanischen Gesetzmäßigkeiten.

Dadurch können wir zwar den Aufbau und die Funktionen der organischen Natur beschreiben, die in ihr waltenden Gesetze bleiben uns jedoch weitgehend verborgen. Goethe beschreibt es in den Worten „Wer das Lebendige will beschreiben, sucht erst den Geist heraus zu treiben. Dann hat er die Teile in seiner Hand, fehlt leider nur das geistige Band.“

Damit wird ein Grundprinzip des Organischen deutlich, welches schon Platon und Aristoteles erkannt hatten: In der Organik herrscht stets das Prinzip der Ganzheit.

Der landwirtschaftliche Organismus

Das Modell „Gemeinschaftsgetragene Landbaukultur“ fördert das Denken von ganzheitlichen, organischen Zusammenhängen. Hier steht nicht der Preis der einzelnen Möhre, sondern der Preis der Ganzheit und der Erhaltung der Vielfalt im Vordergrund. Daher kann der Hoforganismus besser als Ganzheit gedacht werden.

Rudolf Steiner entwickelte 1924 die Idee des Hoforganismus, er sprach von einer Hofindividualität. Es war ihm wichtig, einen Hof möglichst vielfältig zu entwickeln, so dass möglichst viele Teilprozesse zur Entwicklung einer kreisförmigen, fruchtbaren und entwicklungsfähigen Regeldynamik führen können.