25 Feb

Bien

Der Bien ist ein Begriff für den Super-Organismus des Bienenvolkes, der sich nicht auf die einzelne Biene, sondern auf ihre soziale Interaktion als Gemeinschaft bezieht. Diese Gemeinschaft hat Fähigkeiten entwickelt, die die einzelne Biene nicht beherrscht. Ein Beispiel: Obwohl sie als Insekten Kaltblüter sind, können sie in der Gruppe die Temperatur dauerhaft halten wie ein warmblütiges Tier. Für sie hat sich der Begriff „Der Bien“ etabliert. Da der Bien als Superorganismus die Beziehung der einzelnen Bienen untereinander darstellt, ist der Bien zuweilen ein enorm großer Organismus, der sich kilometerweit über die Landschaft ausbreitet.

Die sensible Biene spiegelt die kritische Entwicklung der Natur im ländlichen Raum wider. Die Verschlechterung der Umweltsituation durch Agrargifte und Gentechnik, wie etwa in monokulturellen Agrarindustriegebieten, führen bereits jetzt zu massenhaftem Bienensterben.

Aufgrund ihrer Bestäubungsleistung ist die Biene in Deutschland gesamtwirtschaftlich gesehen das dritt wichtigste Nutztier. Vor diesem Hintergrund wird auch das Zitat von Albert Einstein deutlich:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“
Durch den zunehmenden Verlust der genetischen Vielfalt in der Landschaft finden die Bienen kaum noch genügend Futter. Sie müssen sich ja über das gesamte Jahr ernähren und da hilft nur die Vielfalt von blühenden Pflanzen, die im Jahreslauf Futter bietet.

In der Antike:

Ägypten wird heute als Wiege der Bienenzucht betrachtet, da hier die Bienenhaltung bis 2400 Jahre v. Chr. schriftlich belegt ist. Zahleiche Inschriften und Malereien auf Säulen, Gräbern, Vasen und Tempelwänden zeugen von der Präsenz und großen Bedeutung der Bienen und der Verehrung, die man den Bienen entgegenbrachte. Sie galten als göttliche Wesen und wurden deshalb auch als Symbol für den Pharaotitel verwendet.

Später wurden die Bienen in Griechenland und Kreta als göttliche Sendboten und Mittler zwischen Himmel und Erde verehrt. Die Pythina (Priesterin im Tempel von Delphi) wurde die  „Delphische Biene“ genannt. Die Priester und Priesterinnen des Eleusius-Kultes und der Artemis-Kultes in Ephesos nannten sich „Bienen“ (melissae) – auch war die Biene das Attribut der Göttin Demeter. Der Oberpriester trug den Titel Bienenweiser. Wohl deshalb wurden die Priesterinnen so genannt, weil sie wie die Bienen Dienerinnen und Gesandte der Götter waren und ihre Weissagungen so rein und wahr und unverfälscht wie Honig. Auch später in der christlichen Zeit wurde die Biene zum Zeichen für Fleiß, Ordnungsliebe, Reinheit und Keuschheit der Jungfrauen – doch auch Klugheit und die göttliche Ordnung der Welt wurden mit dem Bienensymbol in Verbindung gebracht.

Beuys: der Bien – Sinnbild eines zukünftigen Sozialen Organismus

Der berühmte deutsche Aktionskünstler und Kunstprofessor Joseph Beuys machte die Biene bereits in den fünfziger Jahren zu seinem künstlerischen Thema. Seine Beziehung zu den Bienen wurde stark von Rudolf Steiners Vorträgen über die Bienen inspiriert.
Beuys Werk über den utopischen Sozialismus stellt den „Wärmecharakter“ des „Bienenorganismus“ in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Beuys ging es um die soziale Wärme, die er im Zusammenleben der Bienen symbolisiert und perfektioniert sieht. Er vergleicht den Bienenstock mit der Weiterentwicklung der sozialen Impulse des menschlichen Zusammenlebens und spricht von der Gestaltung eines Sozialen Organismus, die bei den Bienen eine solche Perfektion erreicht, dass nicht mehr von der einzelnen Biene, sondern von dem Bien, als Überorganismus die Rede ist.
Für Beuys verbindet sich die soziale Wärme auch mit dem Begriff der Brüderlichkeit und des gegenseitigen Zusammenarbeitens. Im Bienenstock geschieht genau das, die absolute Bereitschaft, sich zurückzustellen und für andere etwas zu tun.