Freie Hofschule Pente

(Waldorfschule i.G.)

Schule auf dem Bauernhof im digitalen Zeitalter?

Wir leben in einer Zeit rasanter Veränderung. Maschinen übernehmen immer mehr Arbeiten, Algorithmen ersetzen den Menschen auch in hochqualifizierten Arbeiten. Umso wichtiger werden soziale Kompetenzen, so Prof. Dennis Snower, Präsident des Institutes für Weltwirtschaft. Dafür seien aber neue Lernmodelle nötig. Bei sozialen Kompetenzen, der Kreativität und „dem Sinn erzeugenden Zusammensein» haben Menschen auch künftig einen Vorsprung gegenüber Maschinen.“*

Genau hier legt die Freie Hofschule Pente einen Schwerpunkt. Die Solidarische Landwirtschaft bildet die Grundlage für die Bildungslandschaft der Hofschule. Hier kann „Sinn erzeugendes Zusammensein“  konkret erfahren werden.

Die FREIE HOFSCHULE PENTE hat mit dem Primarbereich im August 2018 mit 16 Kindern von 6-9 Jahren gestartet! Derzeit besteht die Hofschule aus vier Gruppen (1. , 2/3., 4/5  & 6/7) mit insgesamt 52 Schülern. Die Hofschule ist eine Waldorfschule mit handlungspädagogischen Konzept.

Wage deinen Kopf an den Gedanken, den noch keiner dachte. Wage deinen Schritt auf die Straße, die noch niemand ging, auf dass der Mensch sich selber schaffe und nicht gemacht werde von irgendwem oder irgendwas.

                                                                                 Friedrich Schiller

Die FREIE HOFSCHULE PENTE  ist eine einzigartige Grundschule (und voraussichtlich bald auch Oberschule) in freier Trägerschaft. Sie befindet sich auf dem Gelände des biodynamischen Bauernhofs Hof Pente.

Grundlegend für das Bildungsverständnis der FREIEN HOFSCHULE PENTE  ist die Erkenntnis, dass jeder Mensch für die Entfaltung seines vollen Potentials einer möglichst „vollständigen Umgebung“ bedarf.

Mit „vollständig“ meinen wir einen Beziehungsraum, in dem der Mensch in einer lebenspraktischen, respektvollen und fruchtbaren Beziehung zum Boden, zu den Pflanzen, zu Tieren und zu anderen Menschen steht. Der HOF PENTE als „handlungspädagogische Provinz“ im Sinne Goethes,  ist eine Gemeinschaft von tätigen Menschen, die Verantwortung für die Kultivierung des wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Miteinanders übernehmen. Die „solidarische Landwirtschaft“ wird von rund 360 Mitgliedern gemeinschaftlich getragen und ermöglicht so auf und um den Hof eine Kultur der Vielfalt. Die Mitarbeiter der FREIEN HOFSCHULE PENTE setzen  es sich zum Ziel, jedes Kind gemäß dem Rhythmus seiner individuellen Entwicklung durch sinnhafte Tätigkeiten in einer konkreten Welt, lernen zu lassen.

Alle Initiatoren und Mitarbeiter der FREIEN HOFSCHULE PENTE  verstehen sich als Teil einer „Lernenden Schule“ und entwickeln das Konzept aus den Erfahrungen des Alltags stetig weiter.

Das folgende Kurzkonzept entspricht dem aktuellen Stand im Januar 2019.

Kurzkonzept

Die FREIE HOFSCHULE PENTE wurde von  Menschen gegründet, die von den grundsätzlichen Ideen der Bewegung „Schule im Aufbruch“ begeistert und inspiriert sind.

Dabei verknüpfen sich zwei Ideale:

Zum Einen kann und muss der Begriff des Lernens heute –auch im  Sinne der aktuellen Hirnforschung- ( Hüther) und den Forschungsergebnissen der Lernpsychologie  neu  und anders   von den Entwicklungsbedürfnissen des Kindes aus gedacht werden; zum Anderen fordert die aktuelle Umweltsituation auch im Rahmen der Bildung ein Umdenken, das der  Verantwortung für die endlichen Ressourcen unserer Erde einen größeren Stellenwert einräumt. Von der UN wurden daher im Jahr 2015 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung gefordert. Um diese zu erreichen, bedarf es zu aller erst einen inneren Wandel. Daher legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Inner development goals. Aus diesen inneren Ziele wollen wir die Impulse unseres Handelns schöpfen.

Für die Umsetzung dieser beiden  Ideale sind wir von den Motiven der „Handlungspädagogik“ inspiriert,  welche aus den Erfahrungen der seit 100 Jahren erfolgreich arbeitenden Waldorfschulen entwickelt wurde.

Die Lernbegleiter

„Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher

nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes.“

Rudolf Steiner

In diesem Sinne verstehen sich auch die Menschen mit Lehrerausbildung an der FREIEN HOFSCHULE PENTE als Lernbegleiter.  Sie sehen sich selbst als Lernende und begleiten die Lernprozesse der Kinder wertschätzend und in Achtung vor ihrer Individualität. Bei der Vorbereitung des alters-entsprechenden Lernstoffes wollen  sie Brückenbauer sein zwischen den Interessen des Kindes und der Welt.   Nur durch  einen immer wieder neu zu erringenden Enthusiasmus für diese Aufgabe kann Lernen in einer Atmosphäre des „Einladens, Begeisterns und  Ermutigens( Gerald Hüther ) stattfinden.

Im Rahmen des sozialen Lernens geben die Erwachsenen  den Kindern durch echtes Interesse und Zuwendung die individuell notwendige emotionale Unterstützung, ihre eigenen Erfahrungen zu machen sowie Probleme und Konflikte zu lösen. Konflikte zwischen den Kindern werden von ihnen so begleitet, dass jedes Kind mit seinem Standpunkt gehört und respektiert und somit emotional unterstützt wird. Hierdurch entsteht ein Raum in dem Kinder ihre eigenen Lösungsprozesse gestalten können und es entsteht eine soziale und emotionale Selbstregulierung.

Ein absolutes Vertrauen in das Entwicklungspotenzial jedes einzelnen Kindes bildet die Grundlage für die achtsame Haltung der Erwachsenen.

Um sein inneres Potential verwirklichen zu können, benötigt ein Kind eine geeignete Umgebung einen verlässlichen Rhythmus und kulturschaffende Erwachsene, die seinen individuellen Lern- und Reifeprozesse respektieren. Es gehört zum Bildungsverständnis der FREIEN HOFSCHULE PENTE, dass die Kinder die Erwachsenen in ihrer Umgebung nicht nur als ihre „Betreuer“ wahrnehmen. Stattdessen erleben sie die Erwachsenen immer wieder als wirkende Menschen, die aus freier Entscheidung konstruktiv, kreativ und/oder künstlerisch tätig sind. Sei es, dass eine Lernbegleiterin Aufgaben auf dem Hof übernimmt, ein Möbelstück an der Werkbank repariert, ein neues Material für die vorbereitete Umgebung entwickelt, ein Bild malt oder kocht. Somit erleben die Kinder die Erwachsenen in ihrer unmittelbaren Umgebung als Vorbilder, die Verantwortung übernehmen, Lebenserfahrung und persönliche Interessen haben und eigene Handlungsbögen verfolgen.

Das Kind

Lernen ist selbst- initiiert. Selbst dann, wenn der Antrieb oder der Reiz von außen herrührt, kommt das Gefühl des Entdeckens, des Hinausgreifens, Eingreifens und Begreifens von innen. Jegliches Lernen findet vom konkreten-, über das  sensomotorische-  bis hin zum abstrakten- oder rein mentalen- Lernen hin statt. Fähigkeiten können jedoch nicht einprogrammiert werden, sondern entwickeln sich am besten  in einer Atmosphäre von emotionaler und sozialer Sicherheit.

„Die Freude, das Selbstwertgefühl, sich von anderen anerkannt und geliebt zu wissen, sich nützlich und fähig zu fühlen, das sind Faktoren von ungeheurer Bedeutung für die menschliche Seele. Schließlich bilden das Selbstwertgefühl und die Möglichkeit, an einer sozialen Organisation teilzuhaben, lebendige Kräfte. Und das gewinnt man nicht, indem man Lektionen auswendig lernt oder Probleme löst, die nicht mit dem praktischen Leben zu tun haben. Das Leben muss zum zentralen Punkt werden und die Bildung ein Mittel.“

(Maria Montessori)

Durch die Vermittlung von methodischen und inhaltlichen Sicherheiten, die seinem jeweiligen Entwicklungstand entsprechen, erhält das Kind die Möglichkeit, sein Interesse an Zusammenhängen und Fragestelllungen in  eigenständige Lernprozesse umzuwandeln. So kann es in der ganz individuellen Begegnung mit der Welt Erfahrungen sammeln, die seine Kreativität, Ausdauer und Konzentration fördern,  das erworbene Wissen kann nachhaltig  gesichert werden.

Nicht das, was wir unseren Kindern vorsetzen, entscheidet, wie oder wofür sie ihr Gehirn mit Begeisterung benutzen, sondern nur das, was in ihren Augen für sie wichtig ist, was aus ihrer subjektiven Perspektive für sie wirklich bedeutsam ist. Und das ist selten und nur am Anfang das, was wir als Eltern, LehrerInnen und ErzieherInnen für bedeutsam halten.“
(Gerald Hüther)

Der chilenische Biologe Humberto Maturana prägte den Begriff der Autopoiese als die Fähigkeit von allem Lebendigen, sich selbst zu erschaffen. So gehen auch wir an der FREIEN HOFSCHULE PENTE davon aus, dass jedes Kind, wie ein Samenkorn, bereits die Fülle seines Potentials in sich trägt. Maria Montessori nannte dies den „inneren Bauplan“, der nach Entfaltung strebt. Demnach entwickeln sich Kinder von innen heraus. Bei kleinen Kindern lässt sich im Verlauf der ersten Monate und Jahre diese innewohnende Kraft zur Entfaltung besonders gut beobachten. Aus eigenem Antrieb erlernen die Kinder komplexe Fähigkeiten, wenn die sensiblen Strukturen nicht von außen gestört, reduziert oder verhindert werden.

So braucht kein Kind Unterricht, um Krabbeln, Laufen oder Sprechen zu lernen. Es ahmt die Tätigkeiten seiner Umgebung nach und macht sie sich zu Eigen.  Auch im Rahmen des schulischen Lernens vollzieht sich die kindliche Entwicklung weiterhin an Vorbildern und  wandelt  Impulse und Anregungen aus seiner Umgebung in eigenes Entdecken und Forschen um.

Gruppen

Das Konzept orientiert sich an den Erfahrungen der Waldorfpädagogik und bietet jedem Kind -im Rahmen der Gruppen- Zeiten Lerninhalte an, die seiner aktuellen Entwicklungsstufe gerecht werden. Grundlage hierzu ist die Differenzierung in Unter-Mittel und Oberstufe mit ihren unterschiedlichen Angebotsprofilen.

Zurzeit wird die Schule von  Kindern  im Alter von 6 bis 9 Jahren besucht. Während sie in den Hof-Gemeinschafts- und Ideenzeiten gemeinsam lernend tätig sind,  bereiten die Lernbegleiter für die  Gruppenzeiten Lernangebote vor, die sich am Fächer- und Themenangebot für die jeweilige Klassenstufe orientieren.

Für die geplante Mittelstufe ( Klasse 5-8) wird dieses Konzept durch Unterrichtsmethoden ergänzt, die den Schülern auch hier das selbstverantwortliche Lernen im Rahmen selbst initiierter Projekte ermöglichen.

Im Bereich der ebenfalls geplanten Oberstufe( Klasse 9-12) können die im Rahmen der Handlungspädagogik erworbenen Kompetenzen dann bereits berufsrelevant vertieft werden. Hierzu ist eine  Kooperation mit den auf dem Hof ansässigen Werkstätten, dem Gartenbaubetrieb, der Landwirtschaft sowie den Vorschuleinrichtungen  vorgesehen. Eine Verknüpfung von Ausbildung und Schulabschluss ist im Rahmen des HOF PENTE KOLLEG geplant und kann an die langjährigen Erfahrungen anderer Waldorfschulen anknüpfen.

Im Sinne des „sozialen Lernens“  finden im Rahmen von Versammlungen, Projekten, Exkursionen und Jahresfesten immer wieder Gemeinschaftsaktionen statt, an denen alle Schüler beteiligt sind und in denen sie mit- und voneinander  lernen können.

Lernen im Jahreslauf

Die Arbeit und das Lernen in der   FREIE HOFSCHULE PENTE orientieren  sich an den Jahreszeiten und damit einem naturgegebenen Rhythmus. Je nach Jahreszeit stehen auch immer wieder gemeinsame Aktionen auf dem Hof (z.B. Rotkohlernte, Naturschutzwochen, Aufräumaktionen etc.) an, bei denen alle Kinder der Schule gefragt sind mitzumachen.

In Zusammenhang mit den Jahresfesten  gibt es Einladungen an Eltern, die Menschen der Hofgemeinschaft und Freunde von außerhalb.

In den Lernstuben wird das kognitive Lernen altersentsprechend im Rahmen von Epochen gepflegt. Einzelne Themengebiete wie Rechnen, Schreiben, Sachkunde, Naturwissenschaften, Geschichte usw.   können über 4 Wochen intensiv, praktisch und künstlerisch auch im Rahmen von Projekten erarbeitet werden.

Jedes Schuljahr endet mit einer Abschlusswoche, in der die Lernergebnisse von einzeln Schülern oder Lern- und Projektteams mit der Schulgemeinschaft geteilt und gefeiert werden.

Tageslauf

Die verbindliche Unterrichtszeit für die Unterstufe beginnt um 8:00 Uhr  und endet um 12:30 Uhr. Bis 14:00 kann ein Betreuungsangebot wahrgenommen werden, währenddessen auch die Einnahme eines kleinen Mittagessens vorgesehen ist.

Alle Kinder erreichen den Rand des Hofgeländes mit Privatfahrzeugen, Taxen oder Bussen und  beginnen ihren  Schultag mit einem Weg durch Wald Feld zur Schule. ( 8.00 bis 8:30 Uhr)

Dort beginnt der gemeinsame Tag mit einem BEGRÜSSUNGSKREIS, in dem aktuelle Informationen ausgetauscht werden und der Tag geplant werden kann. Hier werden auch der Jahreszeit entsprechende Gedichte, Sprüche und Lieder im Wechsel mit rhythmischen Bewegungen geübt.

Die anschließende HOFZEIT  ( 8:30-10:00 Uhr ) bietet Tätigkeiten und Erfahrungen auf dem Hofgelände in Zusammenarbeit mit den Hofmitarbeitern an und wird in der Regel in begleiteten Kleingruppen durchgeführt.  Die jeweiligen Tätigkeiten richten sich nach den konkreten Anforderungen des Hofes, werden in Form von EINLADUNGEN ZUM HELFEN angeboten und können von den Kindern ausgewählt werden.

Danach kommen Lernbegleiter und Kinder zu einem gemeinsamen Frühstück zusammen.

Nach einem fließenden Übergang – in der auch das FREISPIEL auf dem Hofgelände möglich ist- beginnt die GRUPPENZEIT  in den Lernstuben. Sie endet für jedes Kind individuell und kann in die selbstgestaltete IDEENZEIT übergehen, in der Lern-Erfahrungen vertieft und nach eigenen Interessen bearbeitet werden können.

Um 12:00 Uhr  treffen sich alle zu einem gemeinsamen ABSCHLUSSKREIS. Er bietet Raum für Reflexion, Feedback und Austausch sowie Entspannung durch das Erzählen oder Vorlesen von Geschichten und Märchen.

Nach dem MITTAGESSEN,  das einmal in der Woche mit den Kindern auf dem Feuer zubereitet wird, steht allen verbleibenden Kindern eine weitere IDEENZEIT zur Verfügung, in der sie auch Anregungen durch die Lernbegleiter erbitten und wahrnehmen können.

Klassenlehrer

Pädagogischer Kreis

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